Taunus-Nachrichten – Kelkheim Kultur 23.04.2026
Wenn der Mai tanzt – ein musikalischer Frühling voller Klang, Jugend und Lebensfreude

Arbesa ist mit Feuereifer bei den Proben dabei. Hier probt sie gerade ihr Lieblingsstück.
Kelkheim (ju) – Wenn der Mai in Kelkheim Einzug hält, scheint sich die Stadt selbst zu verändern: Blütenblätter treiben wie kleine, helle Gedanken durch die Straßen, bleiben an Hausecken hängen und lösen sich im nächsten Windstoß wieder. In der Luft liegt dieser weiche, fast schwerelose Duft von frisch erblühenden Bäumen, warmem Boden und dem ersten richtigen Versprechen des Frühlings. Alles wirkt ein wenig heller, die Abende dehnen sich sanft aus, und selbst die Wege durch die Stadt scheinen langsamer zu werden. Genau in diese Stimmung hinein lädt ein musikalisches Ereignis ein, das den Frühling nicht nur hörbar, sondern fast greifbar macht.
Ein Lebensgefühl
Unter dem Motto „Tanz im Mai“ gestalten das Kelkheimer Kammerorchester und das Kelkheimer Kinder- und Jugendorchester gemeinsam ein Familienkonzert, das sich den beschwingten Melodien vergangener Jahrhunderte widmet – Musik, die den Tanz, den Frühling und das Lebensgefühl des Wonnemonats in vielen Facetten einfängt. Auf dem Programm stehen Werke, die mal elegant schreiten, mal ausgelassen wirbeln und dabei immer wieder dieses typische Mai-Gefühl transportieren: Leichtigkeit, Aufbruch und ein Hauch von Romantik. Ob Brahms, Strauß, Bizet, Piazzola, Poisel – sie alle verbindet eins: die Liebe zur Musik.
Am Anfang stehen die Proben
Besonders lebendig wird dieses Projekt bereits Wochen vor den Konzerten in der Pauluskirche Kelkheim. Dort proben alle drei Orchester regelmäßig gemeinsam – ein Bild, das schon für sich genommen den Charakter des Projekts trägt. Zwischen Kirchenbänken und hoher Raumakustik entfaltet sich ein Klang, der noch nicht ganz Konzert ist und doch schon weit darüber hinausgeht. Hier mischen sich konzentrierte Stille und plötzlich aufblühende Klangwellen, hier wird gezählt, gelacht, korrigiert und wieder neu begonnen.
Die Dirigentin Stephanie Weimer-Meeßen versteht es dabei, die unterschiedlichen Generationen zusammenzuführen. Mit ruhiger Klarheit, aber auch spürbarer Energie formt sie aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen gemeinsamen musikalischen Körper. Mal stoppt sie mitten im Takt, um eine Nuance zu erklären, mal lässt sie die Musik einfach fließen – und plötzlich entsteht dieser Moment, in dem alles passt: Einsatz, Dynamik, Gefühl.
Die Jugend mischt mit
Mitten in diesem Klangbild stehen auch drei junge Geigerinnen und Geiger, die das Projekt seit einiger Zeit begleiten und ihm eine ganz eigene Frische geben: Leonard (11), Anton (14) und Arbesa (12). Sie gehören zum Kelkheimer Kinder- und Jugendorchester und sind mit sichtbarer Begeisterung dabei.
„Ich mag am liebsten den Ungarischen Tanz und Lord of the Dance“, sagt Leonard, der kürzlich gemeinsam mit Anton den Sprung ins Jugendsinfonieorchester des Main-Taunus-Kreises geschafft hat. „Das hat richtig Energie – da will man gar nicht aufhören zu spielen.“ Anton wiederum schwärmt besonders für Filmmusik: „Dance with Wolves ist für mich total atmosphärisch. Da kann man richtig in die Musik reingehen.“
Arbesa, die seit drei Jahren im Orchester spielt, ist an zwei Stücken im Konzert beteiligt – und hat dabei eine klare Favoritenwahl: „Der March of the Toreadors aus Carmen ist einfach stark. Der geht sofort ins Ohr, den mag ich wirklich sehr.“ Besonders schön ist, dass genau diese Begeisterung im Konzert spürbar werden soll – Musik, die nicht nur gespielt, sondern gelebt wird.
Kleine Bühne, lebendige Bühne
Auch das Bühnenbild selbst erzählt eine kleine Geschichte. Da die Stadthalle derzeit wegen Bauarbeiten und einer bevorstehenden energetischen Sanierung nicht zur Verfügung steht, wurde das Konzert kurzerhand verlegt – ins Bürgerhaus Fischbach sowie in den Plenarsaal des Rathaus Kelkheim. In Fischbach wurde die Bühne sogar millimetergenau vermessen – schließlich muss ein ganzes Orchester darauf Platz finden. „Die Bühne ist kleiner als sonst – aber wir haben das genau ausgerechnet“, heißt es mit einem Augenzwinkern aus den Reihen der Beteiligten.
Und weil „Tanz im Mai“ seinem Namen alle Ehre machen will, werden an zwei Stellen sogar Tanzpaare die Musik live auf der Bühne begleiten – ein Bild, das Musik und Bewegung unmittelbar verbindet und den Frühlingscharakter des Programms unterstreicht.
So entsteht ein Konzertabend, der nicht laut sein muss, um zu wirken. Einer, der eher einlädt als fordert, der den Frühling nicht erklärt, sondern erklingen lässt – und der zeigt, wie viel Energie entstehen kann, wenn Generationen gemeinsam musizieren. Oder wie es ein junger Musiker sagen würde: „Das fühlt sich einfach nach Mai an.“
Termine
Die Konzerte finden am Sonntag, 3. Mai, um 17 Uhr im Bürgerhaus Fischbach sowie am Sonntag, 10. Mai, ebenfalls um 17 Uhr im Plenarsaal des Rathauses Kelkheim statt. Der Eintritt ist frei.
In allen Orchestern sind neue Streicherinnen und Streicher sowie weitere Musikerinnen und Musiker, die Freude am gemeinsamen Musizieren haben und Teil dieser lebendigen musikalischen Gemeinschaft werden möchten, jederzeit herzlich willkommen.
Weitere Artikelbilder

