Taunus-Nachrichten: Kelkheimer Zeitung vom 14. Mai 2026

Raum zum Tanzen ist auch in der kleinsten „Hütte“ – das bewiesen die beiden Tanzpaare, die einige Stücke tänzerisch begleiteten.
Kelkheim (ju) – Am vergangenen Sonntag wurde der Plenarsaal des Rathauses zu einem Ort, an dem Musik nicht nur erklang, sondern sich wie ein roter Faden durch einen ganzen Nachmittag voller Bilder, Bewegungen und Emotionen zog. Unter dem Titel „Tanz im Mai“ luden das Kelkheimer Kammorchester sowie das Kinder- und Jugendorchester zu einem Familienkonzert ein, das schnell zeigte: Hier ging es nicht nur ums Zuhören, sondern ums Mitgehen, Mitfühlen und manchmal sogar ums Mittanzen.
Gewaltiger Auftakt
Der Auftakt mit dem „Marsch“ aus der Oper Carmen setzte sofort einen klaren Akzent. Kraftvoll, konzentriert und mit viel Präsenz füllte das Orchester den Raum und holte das Publikum direkt hinein in diesen musikalischen Nachmittag. Danach öffnete sich die Stimmung mit dem „Rondeau“ aus Henry Purcells Suite „Abdelazer“ in eine leichtere, barocke Welt – fein gezeichnet, elegant und mit einer fast spielerischen Klarheit. Die Musik schwebte förmlich durch den Saal und zeigte einmal mehr, wie harmonisch die Orchester miteinander agierten.
Mit der „Fledermaus-Quadrille“ nach Motiven aus der „Fledermaus“ nahm der Nachmittag dann richtig Fahrt auf. Genau hier kamen auch zwei Tanzpaare der Tanzschule Taeschner aus Hofheim hinzu und verliehen der Musik eine zusätzliche Ebene. Ihre Choreografie wirkte dabei nie aufgesetzt, sondern so selbstverständlich, als würden die Bewegungen direkt aus den Klängen entstehen. Leicht, schwungvoll und mit viel Eleganz griffen sie die verspielte Energie der Musik auf und machten sichtbar, was ohnehin schon im Raum lag: pure Lebensfreude. Der Saal ließ sich davon sofort mitnehmen – und man merkte schnell, dass diese Musik nicht nur gespielt, sondern gelebt wurde.
Kinderorchester mit großem Auftritt und leuchtenden Augen
Einen besonderen Moment setzte anschließend das Kinderorchester mit „Dance Monkey“ von „Tones and I“ in einem Arrangement von Christian Meeßen. Mit großer Konzentration und sichtbarem Stolz zeigten die jungen Musiker, was in ihnen steckt. Dirigentin und Orchesterleiterin Stefanie Weimer-Meeßen sah man dabei den Stolz regelrecht an – nicht laut, sondern dieses stille, zufriedene Lächeln, wenn ein Plan aufgeht und Kinder über sich hinauswachsen.
Bevor die Pause kam, sorgte das Programm noch einmal für einen echten Stimmungswechsel: „Latin Gold“. Plötzlich war der Plenarsaal kein Saal mehr, sondern ein sommerlich vibrierender Klangraum irgendwo zwischen Konzert und Strandbar. Die Rhythmen hatten genau dieses Lebensgefühl, bei dem man fast meinte, die Cocktails würden gleich von selbst auf den Tischen erscheinen. Das Publikum ging sichtbar mit, wippte, lächelte, ließ sich treiben – und machte den Moment so zu etwas Besonderem.
Eleganz, Schwung und ganz viel Film
Nach der Pause öffnete sich das Programm erneut in ganz andere Klangwelten. Mit „Libertango“ von Astor Piazzolla kam sofort diese typische Spannung zwischen Eleganz und Leidenschaft in den Raum. „Cadence Everlasting“ von Rossano Galante und der „Ungarische Tanz Nr. 1“ von Johannes Brahms brachten danach klassische, fast filmische Kraft und rhythmische Klarheit zurück, bevor der „Second Waltz“ aus der 2. Suite für Jazz-Orchester einen der ruhigsten und zugleich elegantesten Momente des Nachmittags setzte.
Auch hier waren wieder die Tänzer der Tanzschule Taeschner auf der Fläche. Ihre Bewegungen wirkten jetzt noch weicher, fast erzählerisch, als würden sie den Walzer nicht nur begleiten, sondern ihn kommentieren. Und diesmal blieb es nicht beim Zuschauen: Das Publikum wurde eingeladen, mitzutanzen – und einige ließen sich tatsächlich darauf ein. Zögerlich zuerst, dann mit einem Lächeln, das sich schnell im ganzen Saal ausbreitete.
Drei Orchester, ein gemeinsamer Klang
Im weiteren Verlauf entwickelte sich das Konzert zu einem musikalischen Finale, das noch einmal alle Kräfte bündelte. Die drei Orchester spielten dabei nicht nebeneinander, sondern hörbar miteinander – sie griffen ineinander, bauten gemeinsam Klangräume und ließen die Musik größer wirken als jedes einzelne Ensemble für sich.
Auch das Publikum war Teil dieses Ganzen: Der Plenarsaal war so gut gefüllt, dass nicht alle einen Sitzplatz fanden, viele standen entlang der Wände und blieben trotzdem ganz bei der Musik. Und der Ort selbst bekam an diesem Nachmittag fast eine neue Bedeutung. „Ich weiß gar nicht, ob die Politiker wissen, dass man hier so gut Musik machen kann – und ob sie dann auch gute Politik machen“, scherzte Christian Meeßen augenzwinkernd. Ein Satz, der für Lachen sorgte.
Am Ende blieb der Eindruck eines Nachmittags, der weit über ein Konzert hinausging. „Tanz im Mai“ war eine musikalische Reise durch Stile, Zeiten und Stimmungen – getragen von Spielfreude, Präzision und einem spürbaren gemeinsamen Puls. Und wenn man diesen Nachmittag gesehen hat, bleibt fast zwangsläufig diese eine Frage mit einem Lächeln zurück: Was erwartet die Zuhörer beim nächsten Mal?
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